Modellregion Schlei: Eine Verlängerung des Projekts ist sinnvoll

TOP 16 – Projekt „Modellregion Schlei“

Dazu sagt die umweltpolitische Sprecherin der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Marlies Fritzen:

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

vor ziemlich genau zwei Jahren haben wir hier über unseren Antrag zur Modellregion Schlei debattiert und ihn einstimmig beschlossen. Damals habe ich gesagt, dies sei ein guter Tag für die Schlei. Nach dem heutigen Bericht, kann ich sagen, es war eine gute Zeit für die Schlei. Die Umweltprobleme in der Schleiregion sind seit langem bekannt. Und lange wurde zu wenig dagegen getan. Auch weil es divergierende Nutzungsansprüche gibt, die schwer miteinander in Einklang zu bringen sind.

Vor allem die intensive Landwirtschaft sorgt für eine anhaltend schlechte Wasserqualität. Und deshalb kann es Lösungen nur gemeinsam mit den Landwirt*innen geben. Die integrierten Ansätze, die jetzt in der Schleiregion entwickelt werden, sind dafür der genau richtige Weg, um den ökologischen Zustand der Schlei als Gewässer zu verbessern und damit auch einen Beitrag zum Schutz der Ostsee zu leisten.

Es werden Kooperationen zwischen Landwirtschaft, Naturschutz und Tourismus entwickelt und umgesetzt, die ein echtes Win-Win-Win darstellen und den Menschen vor Ort nicht aufgedrückt, sondern von den Akteur*innen selbst initiiert und getragen werden. Sie können über die Region hinaus ausstrahlen und sollten auch Modell, zum Beispiel für die Flensburger Förde, sein.

Das Prinzip der lokalen Aktionen, auf kommunaler Ebene mögliche Konsense zwischen Schützer*innen und Nutzer*innen zu finden, wird hier gelebt. Es geht - und auch das hat uns die Vergangenheit gezeigt, in der wenig voran ging - nur miteinander. Und es geht auf lange Sicht nur mit einer flankierende Agrarförderpolitik, die Landwirt*innen dafür bezahlt, umweltschonend zu wirtschaften. Die Gemeinwohlprämie ist das Modell der Zukunft. Auch das zeigt das Modellprojekt beispielhaft.

Besonders ist auch die gemeinsame Finanzierung der Projektstruktur durch die beiden Kreise Schleswig-Flensburg und Rendsburg-Eckernförde, unterstützt durch Projektmittel des Bundes für Naturschutzmaßnahmen sowie die Nutzung der vorhandenen Fördermöglichkeiten des Landes bei der Umsetzung der Maßnahmen.

Auch die Einbindung einer wissenschaftlichen Begleitung bringt weitere Erkenntnisse und Grundlagen, beispielsweise mit dem Modellprojekt zur Honorierung guter Hoftorbilanzen als innovatives Instrument für den Gewässerschutz.

Das Projekt „Modellregion Schlei“ ist im April 2020 gestartet, mit einer Laufzeit von zunächst drei Jahren. Es ist also noch lange nicht abgeschlossen. Es wäre falsch, nach knapp zwei Jahren Laufzeit das Ende aller Probleme zu erwarten.

Dennoch gibt es bereits vorzeigbare Ergebnisse, wie den regionalen Einkaufsführer, in dem sich die Direktvermarkter der Region präsentieren. Es sind beachtliche 48 Betriebe mit einer breiten Palette regionaler Produkte: von Fisch und Bier über Obst und Gemüse zu Milch und Honig ist alles dabei.

Es gibt speziell auf die Region zugeschnittene Agrarumweltmaßnahmen: zeitweise aus der Nutzung genommene Ackersenken, feldmittige Blühstreifen und bunte Gewässerränder. Es gibt mit dem Gewässerschutzkoffer Material für die Umweltbildungsarbeit an den Schulen. Es wurden Flächen zur Wiedervernässung erworben und mit der Renaturierung begonnen. Damit leistet das Projekt auch einen Beitrag zum biologischen Klimaschutz.

Es gibt also schon eine ganze Menge. Vor allem aber haben wir eine Projektstruktur mit Personalausstattung etabliert. Das ist wichtig, um vor Ort Vertrauen aufzubauen, damit gemeinsam mit den Landnutzer*innen Gewässer- und Naturschutzmaßnahmen entwickelt und weitere Mittel eingeworben werden können.

Bisher war es also eine gute Zeit. Vieles ist angestoßen und auf den Weg gebracht. Das Projekt ist zunächst befristet bis April 2023. Die bisherigen Ergebnisse machen deutlich, dass eine Verlängerung sinnvoll ist. Ich wünsche mir, dass die nächste Landesregierung dies auf ihre Agenda schreibt. Damit es noch bessere Zeiten für die Schleiregion und ihre Menschen werden.



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