12.09.2014

Kulturpolitik ist essentiell für unser Land

Kultur ist zugleich Spiegel und Korrektiv der Gesellschaft, ja man könnte auch sagen ihre Substanz. Sie ist die gemeinsam entwickelte Art des Umgangs miteinander und die immer wieder überprüfte und manchmal auch neu ausgerichtete Verständigung darüber, was uns in dieser Gesellschaft zusammen hält, was uns als Gesellschaft wichtig ist. Kultur ist mithin mehr als ein weicher Standortfaktor, Kulturpolitik essentiell für unser Land.

Wir reden hier heute über eine Premiere. Erstmals wird mit den „Kulturperspektiven für Schleswig-Holstein“ nicht nur eine Momentaufnahme, sondern ein Vorschlag für die zukünftige Entwicklung der Kulturpolitik des Landes beschrieben. Ein Vorschlag nicht als Masterplan, der dem Land von Kiel aus übergestülpt wird, sondern der in ausführlichem Diskurs mit den Kulturschaffenden im Land erstellt wurde und mit diesen auch weiter entwickelt werden soll.

Kultur kann man nicht verordnen, Kulturpolitik von oben kann nichts erreichen. Deshalb war der Kulturdialog so wertvoll. Von der Soziokultur bis zu Schloss Gottorf, von der Volkshochschule bis zum Kunstmuseum waren alle AkteurInnen im Land eingeladen, sich zu beteiligen und das Ergebnis zu gestalten, das uns mit den „Kulturperspektiven für Schleswig-Holstein“ heute vorliegt.

Leute, die das Land und seine kulturellen Schätze kennen. Leute aber auch, die wie die Landesregierung wissen, dass sie nicht an einem „Tischlein-deck-Dich“ zusammen saßen, sondern sich in Zeiten von Tarifsteigerungen auf der einen Seite und Konsolidierungspfad andererseits noch einige Zeit gehörig nach der Decke strecken müssen.

Zwei Punkte scheinen mir für die Zukunft von zentraler Bedeutung für die Kulturpolitik im Land: Erstens: Wie halten wir‘s mit dem ländlichen Raum? Zweitzens: Wie kommen wir aus einer Verwaltung des finanziellen Mangels in die gestaltende Offensive?

Mit den geplanten Kulturknotenpunkten geben wir eine Antwort für den ländlichen Raum und das ist für ein Flächenland wie Schleswig-Holstein, mit mancherorts dramatischen Folgen in der Siedlungsentwicklung durch den demographischen Wandel, von geradezu existenzieller Bedeutung. 

Vernetzung und Kooperation sichern und stärken das Kulturangebot in der Fläche und unterstützen zugleich die Kulturschaffenden.

Viele am Kulturdialog Beteiligte, die sich natürlich auch vorher schon kannten – Schleswig-Holstein ist ja durchaus überschaubar und manche schwimmen schon lange im gleichen Teich – begrüßten dennoch diesen Dialog und bekannten, neue Aspekte und Perspektiven gewonnen zu haben. Auch deshalb soll das Gespräch nicht abbrechen und in regelmäßigen Treffen eines Kulturbeirates fortgeführt werden.

Der zweite Punkt ist der noch entscheidendere: welche Gestaltungsoptionen gibt es in der Kulturpolitik. Die Spielräume sind eng.

Allein die Zuschüsse an die schleswig-holsteinischen Landesmuseen Schloss Gottorf und die Staatsleistungen an die Kirchen, die ebenfalls aus dem Kulturetat bezahlt werden müssen, machen rund 50 Prozent der gesamten Mittel aus. Dazu kommen noch erhebliche Gelder aus dem FAG, die fast ausschließlich zur Finanzierung der Theater aufgewandt werden. Aufwüchse etwa durch Tarifsteigerungen engen die Möglichkeiten weiter ein.

Hier stellt sich die Frage, wie Angebote weiter entwickelt oder besser vernetzt werden können. Dort, wo es eng ist, muss man zukünftig noch besser zusammenarbeiten. Kultur ist nicht statisch. Das Kulturkonzept bietet hier gute Ansätze. Sie nicht zu nutzen, hieße tatsächlich in eine Mangelverwaltung hinein zu laufen und das ist eben gerade keine Kulturperspektive für Schleswig-Holstein.

Zum Schluss erlauben Sie mir noch einen Satz zu der viel diskutierten Ausrichtung der Gedenkstättenarbeit im Land. Ich unterstütze die Idee einer neuen Stiftung, die sowohl die Arbeit der bisherigen, zumeist ehrenamtlich geleisteten Gedenkarbeit an die NS-Vergangenheit in Schleswig-Holstein unterstützt als auch ein Konzept für den Umgang mit der Neulandhalle im Dieksanderkoog in Dithmarschen entwickelt. Diese Stiftung muss die Grundlage legen für die zukünftige Erinnerungskultur im Land und die verschiedenen Perspektiven zusammen führen. Sie ist die organisatorische Voraussetzung für jede weitere Arbeit in diesem Bereich.

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