02.10.2016

Die Haselmaus sind wir

„Die Natur braucht sich nicht anzustrengen, bedeutend zu sein. Sie ist es.“ Das sagte der Schweizer Schriftsteller Robert Walser einmal. Aber wir müssen heute feststellen, dass uns die Bedeutung der Natur immer weniger bewusst ist und deren Schutzbedürftigkeit häufig irgendwie im Wege steht. Geradezu buchstäblich ist das so, wenn wir an den Straßenbau und ganz konkret für Stockelsdorf an den Bau der lang ersehnten Umgehungsstraße K13 denken. Nach jahrelanger, ja man möchte schon sagen „Verweigerung“ der Stadt Lübeck für ein gemeinsames Projekt war es am Ende die Haselmaus, die den Baufortschritt verzögerte. Eine Lachnummer? So wird es von PolitikerInnen und Presse häufig kritisiert. Dahinter aber wird ein Problem sichtbar, das gar nicht lustig ist.

 

Die Hälfte unserer Tier- und Pflanzenarten in Schleswig-Holstein ist in ihrer Existenz bedroht.

 

Der hohe Flächenverbrauch durch Siedlungs- und Straßenbau, die Ansprüche an eine den Klimawandel begrenzende Energiewende und eine immer noch intensivere Landwirtschaft sind die Gründe dafür. Zwar mögen der große Pandabär als weltweites Symboltier des Artenschutzes oder für unser Land der Seeadler als spektakulärster Greifvogel die Rote Liste der gefährdeten Arten nicht mehr anführen und in ihrem Bestand zunächst als gesichert gelten. Für viele „Allerweltsarten“ wie Kiebitz, Feldlerche und Uferschnepfe und ja, auch die Haselmaus, lässt sich keine Entwarnung geben

 

Als Reinhard Mey in den 1980ger Jahre das Verschwinden der Maikäfer besang und sich fragte, „ob sie uns nur voran gehen?“, war nicht nur die Frage richtig gestellt, sondern auch das Bewusstsein der Menschen für die Zerstörung ihrer Umwelt hellwach. Heute - angesichts dramatischer Artenverluste - habe ich den Eindruck, dass diese als „lässliche Sünde“ hingenommen werden, um unsere Bequemlichkeit willen und auch weil die Fische nicht mehr „kieloben“ in verseuchten Flüssen treiben, also das Problem nicht mehr so offensichtlich ist.

 

Sicher, es hat sich viel getan in Sachen Umweltschutz

 

Doch die Liste der bedrohten Arten sollte uns nach wie vor nicht egal sein. Naturschutz ist kein Luxus, sondern die Bewahrung der Lebensgrundlagen auch für uns Menschen. Auch deshalb habe ich mich in der Küstenkoalition dafür eingesetzt, das Landesnaturschutzgesetz zu ändern und die massive Absenkung von Standards der schwarz-gelben Vorgängerregierung rückgängig zu machen.

Magazin ImmerGRÜN 2016 der Stockelsdorfer GRÜNEN



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