31.10.2011

Realistisch bleiben: Netzausbau ist kein Wunschkonzert

Zu der Diskussion um den Netzausbau in Ostholstein und der Debatte um Erdverkabelung von Übertragungsleitungen erklären die ostholsteinische Landtagsabgeordnete und umweltpolitische Sprecherin von Bündnis 90/Die Grünen, Marlies Fritzen, und der energiepolitische Sprecher, Detlef Matthiessen:

Der Ausbau der Stromnetze ist unerlässlich für die Energiewende. Er ist eine Herausforderung aber auch eine riesige wirtschaftliche Chance für Schleswig-Holstein. Wir Grüne stehen auf allen politischen Ebenen dafür ein, dass dieses für Menschen und Umwelt möglichst schonend erreicht wird.

Einen Teilerfolg konnten wir Grüne auf Bundesebene für die 110 Kilovolt-Ebene erreichen. Auf dieser Spannungsebene ist die Erdverkabelung Stand der Technik. Neue Hochspannungsleitungen werden jetzt komplett unter der Erde verlegt. Das entlastet das Landschaftsbild enorm, denn in Schleswig-Holstein gibt es viel mehr Hochspannungsleitungen als Übertragungsleitungen.

Dagegen sind Erdkabel im Bereich der Übertragungsleitungen auf Höchstspannungsebene von 220 und 380 kV-Leitungen über lange Strecken technisch nur unzureichend erprobt und nach heutigem Stand bis zu zehnmal teurer als Freileitungen. Zudem ist der Platzbedarf erheblich. So braucht man bei jedem Wechsel zwischen einer Freileitung und Erdverkabelung eine Übergabestation mit einem Platzbedarf von rund 2500 Quadratmetern. Hinzu kommt, dass über 380 kV-Erdkabeln eine bis zu 17 Meter breite Schneise dauerhaft freigehalten werden muss.

Die von der SPD-Fraktion im Kreistag und der Bundestagsabgeordneten Bettina Hagedorn geforderte Erdverkabelung unter Bezugnahme auf derartige Projekte in London, Moskau und Mailand gehen daher an der ostholsteinischen Realität vorbei. Schlicht falsch ist die  Behauptung, dass in Dänemark die Höchstspannungsebene als Erdkabel gebaut werden soll. Auch unser nördlicher Nachbar wird lediglich die Hochspannungsleitungen (110 kv) und Leitungen für niedrigere Spannungsebenen in die Erde verlegen.

Der Netzausbau ist kein Wunschkonzert. Wir dürfen die Realitäten nicht verleugnen. Eine vollständige Erdverkabelung von Übertragungsleitungen nach dem Motto „aus den Augen aus dem Sinn“ wird und kann es nicht geben. Wir halten es daher für nicht seriös, politisch Begehrlichkeiten zu wecken, die nicht erfüllt werden können.

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URL:https://www.marlies-fritzen.de/presse/pressemitteilungen-2011/expand/377744/nc/1/dn/1/